Mietshäuser werden verkauft

Das Bezirksamt Neukölln informierte Anfang September 2020 die Bewohner von fünf Mietshäusern im Milieuschutzgebiet Reuterplatz darüber, dass die Häuser von privat an privat verkauft werden. Das Bezirksamt verlangt zunächst von den potentiellen Käufern eine Abwendungsvereinbarung, d.h. die Einhaltung der Milieuschutzauflagen (keine Modernisierung, kein Luxusumbau, keine Eigentumsumwandlung u.a.m.). Fehlt die Abwendungsvereinbarung, kann der Bezirk sein Vorkaufsrecht geltend machen.

Bezirkliches Vorkaufsrecht

Welches Interesse hat der Bezirk, die Häuser zu kaufen? Die Wohnungen und Gebäude haben eine einfache Ausstattung und wurden bisher niedrigpreisig vermietet. Modernisierungen wie neue Bäder oder Heizungen wurden teils von den Mietern selbst finanziert und eingebaut. Die Häuser, momentan im Privatbesitz, zählen also zum schwindenden billigen Mietwohnraum, von dem sich ausreichende Mengen im städtischen Besitz befinden sollten. Langfristig ist es vorteilhaft. Eine kurzfristig hohe Ausgabe lohnt sich auf lange Sicht, darum wurden bereits mehrere Häuser in Berlin wieder „zurück“ gekauft. Man lernt aus Fehlern der Vergangenheit: Die Stadt muss über eigenen günstigen Wohnraum verfügen, denn der freie Immobilienmarkt vernichtet bezahlbaren Wohnraum in kurzer Zeit.

Der Milieuschutz muss wirksam werden

Sollte der Verkauf an private Käufer (Immobilienfirmen) erfolgen, so haben wir als Mieterinnen und Mieter JETZT die Chance, mit dem Bezirk und der Öffentlichkeit zusammen von den neuen Besitzern Auflagen einzufordern, die den Wohnbestand in einfacher Ausstattung schützen und die Mieten weiterhin bezahlbar halten. Der Milieuschutz muss wirksam werden, sonst droht die Verdrängung der hier seit vielen Jahren ansässigen Menschen.

Die Verkäufer der 5 Häuser

Insgesamt drei Namen sind im Grundbuch eingetragen, die vermutlich in Teilen geerbt oder sich mit Kapital eingebracht haben.

  • Frau Charlotte Eisenmann-Zippel und Herr Hans-Georg Grossmann sind Kapitalanleger aus München und der Schweiz, die beide auch eine gemeinsame GbR führen. (Beteiligungsgesellschaft)
  • Vermögensverwaltung Wiest GmbH in Stuttgart – Frau Ingeborg Wiest war Erbin eines Lindow-Anteils

Chronologisch: Lindow hieß die Firma, die den gesamten Häuserblock ca. 1923 erbaute und im Innenhof ihr Bauunternehmen führte. Einer der Lindow-Inhaber setzte Frau Ingeborg Wiest als Erbin ein. Frau Wiest zog nach Stuttgart, wo sie 2014 verstarb. Ihr Erbverwalter, ein Rechtsanwalt in Stuttgart, ist seit 2014 der Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Wiest GmbH, die lange Jahre mieterfreundlich agierte. (Über Eisenmann-Zippel und Grossmann ist nichts weiter bekannt.) Der ursprüngliche Gebäudeblock wurde bereits 2016 geteilt, mehr dazu unter FAQ

Wer sind die Käufer?

Das ist momentan unbekannt. Man könnte aber vermuten, dass das komplexe Firmengeflecht hinter der Firma Hintze & Co., das auch schon die Nachbarhäuser in der Framstraße, Pannier- und Pflügerstraße besitzt, ein sehr großes Interesse hat, sich die „Lindow-Resthäuser“ einzuverleiben. Das ist ja schon 2016 versucht worden.

Nächste Schritte

Die Mieterinnen und Mieter unterstützen das Bezirksamt nach Kräften bei der Prüfung des Vorkaufsrechts. Wir teilen wichtige Informationen untereinander und beraten uns bei Mietertreffen.
Wohnst du selbst in einem der Häuser Nansenstr. 11 oder Framstraße 3, 5, 7 oder 9? Bitte werde Mitglied im Verein Unser Block bleibt e.V.
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