Who is Who?

framstraße blau - Kopie

Investoren und Spekulanten zerstören historisch gewachsene Strukturen

Hintze & Co, die Samwer-Brüder, Lindows – diese Namen schwirren im Zusammenhang mit „Unserem Block“ immer wieder durch die Gegend. Da ist es gerade für Außenstehende (aber auch für Eingeweihte) schwierig, den Überblick zu behalten. Wer ist wer in dieser Spekulationsgeschichte? Wir finden es wichtig, dass auch die Hintergründe an Tageslicht kommen. Daher haben wir mal versucht, ein wenig Ordnung in dieses Namens-Chaos zu bringen.

Als wir Mitte Mai von den Zwangsversteigerungen erfahren haben, war uns zwar klar, dass hier jemand mit unserem Block spekuliert. Der Spekulationskrimi, der sich in den folgenden Wochen so nach und nach vor unseren Augen entfaltete, hat dann aber unsere schlimmsten Erwartungen noch bei weitem übertroffen.

Kurzer Historischer Exkurs

Unsere Häuser wurden in den 1920er Jahre vom Bauunternehmer Lindow errichtet. Die Baufirma Lindow hatte jahrzehntelang auf der Gewerbefläche im Innenhof ihren Sitz. Nach dem Tod des Firmengründers erbten seine drei Kinder zu gleichen Teilen die Häuser und Grundstücke, die zu „Unserem Block“ gehören. Jahrzehntelang waren die Häuser in Familienbesitz.

Weil Neukölln als „Bronx von Berlin“ galt und niemand hier wohnen wollte, standen die Wohnungen manchmal mehrere Jahre lang leer, bevor sie neu vermietet werden konnten. Das begann sich vor ca. 10 Jahren zu ändern. Der Reuterkiez gehört mittlerweile zu den angesagtesten Gegenden innerhalb des Berliner S-Bahn-Rings, Wohnungen in diesem Viertel sind heiß begehrt, entlang der Weserstraße hat sich eine Ausgeh- und Partymeile mit internationalem Ruf etabliert. Auch die Mieten in unserem Block haben sich in den letzten Jahren bei Neuvermietungen spürbar erhöht. Wer in unserem Block in den letzten Jahren eingezogen ist, zahlt in der Regel schon Mieten, die auf Mietspiegel-Niveau liegen, zum Teil sogar auch darüber.

Hintze und Co drängen sich in die Eigentümergemeinschaft hinein

Vor zwei Jahren (2014) verstarb einer der drei Lindow-Erben. Nach unseren Informationen war es das erklärte Ziel der verbleibenden beiden Erb-Parteien, die Häuser im Familienbesitz zu halten. Entgegen ihren Wünschen verkaufte der Nachlassverwalter aber an die Berliner Immobilienfirma Dr. Hintze & Co.

Die Firma Hintze vertritt verschiedene GbRs, die alle ganz harmlos nach den jeweiligen Grundstücken benannt sind, an denen sie Anteile halten. Also zum Beispiel „GbR Framstraße 3-9 u.a.“ oder „GbR Framstraße 11-19 u.a.“.

Eigentümer dieser GbRs sind die Lido Investment GmbH (Berlin), Verus GmbH (München) und die CAD Investment GmbH (Berlin). Lido Investment und CAD Investment gehören den Brüdern Florian und Martin Hintze. Florian Hintze agiert als Geschäftsführer von Dr. Hintze & Co, während Martin Hintze bei der Investmentbank Goldman Sachs für das Coporate Equity-Geschäft in Europa verantwortlich ist.

Umfangreiche Recherchen haben außerdem ergeben, dass hinter der Verus GmbH aus München die Brüder Oliver, Marc und Alexander Samwer stehen. Die Samwer-Brüder sind als Internet-Unternehmer mit Rocket-Internet groß geworden und haben über verschiedene Investmentfirmen ein riesiges Vermögen angehäuft.

Übernahme-Strategie: Zwangsversteigerung

Damit hatten die Hintzes und Samwers den Fuß in der Tür. Die zweite der drei Erb-Parteien bezahlten sie aus, so dass ihnen dann schon zwei Drittel des Häuserblocks gehörten. Die Erbin des letzten Drittels die kürzlich verstarb und in der Folge ihr Nachlassverwalter stellten sich quer. Sie waren nicht bereit an Hintze/Samwer zu verkaufen. Nach unseren Informationen gab es Versuche von der dritten Erbenpartei, eine Einigung zu erzielen. Die von Hintze & Co jedoch ausgeschlagen wurden. Man wolle sich den ganzen Block sichern und nicht nur einen Anteil.

So kam es zur Beantragung der Zwangsversteigerungen bzw. Teilungsversteigerungen zur „Aufhebung der Gemeinschaft“. Erklärtes Ziel von Hintze & Co war es, sich über diese Versteigerungen den gesamten Block zu sichern. Man sah sich im Vorteil, weil man ja real nur ein Drittel des Auktionsbetrages zahlen müsste, die restlichen zwei Drittel zahle man ja an sich selbst aus. Im Vorfeld gab man sich sehr zuversichtlich, dass diese Strategie aufgehen würde. In den Medien wurde beschönigend behauptet, „die Erbengemeinschaft löse sich auf“. Dass Hintze & Co diese „Auflösung“ überhaupt erst losgetreten haben und mit ihrer Aneignungsstrategie durch die Hintertür die treibende Kraft dabei waren, ließ man lieber unter den Tisch fallen.

Zwangsversteigerung abgesagt

Quasi in letzter Minute wurden dann die Versteigerungstermine abgesagt. Anscheinend war man sich angesichts der mindestens vier Mitbieter, die sich angekündigt hatten, nicht mehr ganz so sicher, dass die Übernahmestrategie reibungslos funktionieren würde. Nach neuesten Informationen haben sich die Eigentümerparteien (also Hintze/Samwer auf der einen Seite und die Erben der Lindow-Erbin auf der anderen Seite) auf eine Aufteilung der Grundstücke und Häuser geeinigt. Doch Unser Block Bleibt! lässt sich nicht teilen! Dazu an einem anderen Tag mehr.

Wir betrachten es als Erfolg unserer Arbeit,  dass der Plan der Hintzes und Samwers, sich den ganzen Block zu sichern, vorerst gescheitert ist.

Darf man das? Anscheinend ja.

Wir sind trotzdem immer noch sprachlos, dass es ganz legal möglich ist, sich in eine funktionierende Eigentümergemeinschaft durch die Hintertür hineinzudrängen und dann über die Teilungsversteigerung die Auflösung zu erzwingen. Die verbleibenden Eigentümer haben keinerlei Möglichkeit sich gegen den Aggressor, der sich von außen hineingedrängt hat, zur Wehr zu setzen. Feindliche Übernahme mal anders.

Zum Weiterlesen:

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Ein Gedanke zu “Who is Who?

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