Ein Update in Wahlkampfzeiten…

Der Sommer ist (gefühlt) fast vorbei – jedenfalls was die Temperaturen angeht. Dafür kommt der Berliner Wahlkampf so langsam in die heiße Phase  – spürbar und sichtbar.

Ob es Zufall ist, dass sich in unseren Straßen die Plakate mit dem Slogan „Miethaien die Zähne zeigen ziehen“ und „Oma Anni bleibt..“ gegenseitig fast den Platz wegnehmen? Dazwischen prangt das eine oder andere „Berlin bleibt sozial“ oder „Berlin bleibt bezahlbar“ – über das man wirklich noch nichtmal müde lächeln kann.

„Unser Block“ hat außerdem die Ehre, mehr oder weniger offen in der Wahlwerbung einzelner Parteien aufzutauchen. Hm. Da kann man nicht umhin, sich vereinahmt zu fühlen. Vor allem wenn das ungefragt geschieht. Kein guter Stil liebe Polit-Aktive.

Zumal der Bogen von unserem Mieter-Engagement zur Verabschiedung des Milieuschutzes in Neukölln dann ein wenig sehr forciert wirkt. Noch sind wir keine Erfolgsgeschichte in Sachen Milieuschutz – und wie wirksam dieses Instrument im Bezirk Neukölln wirklich ist, und wieviel Schutz wir als „Altmieter“ dann wirklich genießen dürfen, wird sich noch zeigen müssen. Das wäre ein sinnvollerer Bogen gewesen: Milieuschutz erfolgreich verabschiedet – der Kampf geht weiter – Milieuschutz muss auch konsequent durchgesetzt werden – das passiert nur mit uns… Das nur mal so als kleiner Kommunikations-Tipp am Rande.

Stichwort Milieuschutz. Kurz vor der parlamentarischen Sommerpause haben wir ja noch zwei Bürgeranfragen in der BVV Neukölln gestellt. Ganz ehrlich: so eine Einwohnerfragestunde sollte muss man echt mal erlebt haben.

Die Antwort aus dem Bezirksamt (Abteilung Bauen, Natur und Bürgerdienste unter Bezirksstadtrat Blesing) enttäuschte unsere ohnehin niedringen Erwartungen dann auch nicht. Ein „echter Blesing“: Wir wurden ausführlich mit den relevanten Paragrafen aus dem Baugesetzbuch überhäuft, darüber informiert dass der Beschluss für die „soziale Erhaltungsverordnung“ Reuterplatz am 28.06.2016 im Gesetz- und Verordnungsblatt von Berlin „ortsüblich bekannt“ gemacht wurde (ach nee, das wussten wir noch gar nicht) und schließlich wurde uns mitgeteilt, dass das Bezirksamt zur Zeit die Möglichkeit prüft, für das Milieuschutzgebiet Reuterplatz eine „kostenlose Mietererstberatung“ zu „installieren“. Voraussetzung ist jedoch, dass entsprechende Mittel bereit gestellt werden können. Also ist jetzt schon klar, dass das nicht passieren wird.

Alles in allem wurde uns mit dieser und mit der im Vergleich sehr wortkargen Antwort auf unsere zweite Einwohnerfrage ganz deutlich von Seiten der Politik vermittelt: Ihr nervt, wir wollen uns mit den Sorgen und Nöten der normalen Bürger gar nicht erst abgeben geschweige denn in irgendeine Form von Dialog mit euch treten. Schade. Bürgernahe Politik sieht in unseren Augen anders aus.

Wen es interessiert: Hier unsere Fragen (und die Antworten) im Wortlaut:

1. Frage zum Wohnblock Fram-,Nansen- ,Pannier- und Pflügerstrasse
(siehe auch unserblockbleibt.de)

Unser Wohnblock im Reuterkiez stand zur Zwangsversteigerung – dies wurde von einer GbR veranlasst, die sich über zwei Jahre Stück für Stück unseren Block gekauft hat. Wir haben mittlerweile herausgefunden, dass hinter der GbR unter anderem die Samwer-Brüder stehen (siehe Artikel vonFrau Miriam Hecking: http://www.manager-magazin.de/immobilien/artikel/wie-die-samwers-im-berliner-haeuserkampf-mitmischen-a-1096678.html). Die Samwerbrüder sind bekannt für ihre Strategie mit ihrer Firma Rocket-Internet, ihr Eigentum nur unter dem Blickpunkt der Gewinnmaximierung zu betrachten.  Wir als Mieter sind beunruhigt und fragen uns, wie die BVV uns unterstützt und wie Sie den Milieuschutz durchsetzen wollen:

  1. Wie werden Sie mit zukünftigen Sanierungs- bzw. Modernisierungsanträgen oder Anträgen auf Umwandlung in Eigentum in unserem Block umgehen?
  1. Wird es für uns einen Ansprechpartner vom Bezirk für Mieterbelange geben, an den wir uns wenden können, um über die laufenden Anträge informiert zu werden?

Antwort des Bezirksamtes (Baustadtrat Blesing)

2. Frage zum Wohnblock Fram-,Nansen- ,Pannier- und Pflügerstrasse
(siehe auch unserblockbleibt.de)

Wir als MieterInnen des Fram-,Nansen- ,Pannier- und Pflügerstrassen-Blocks haben die Eigentümer angeschrieben, dass wir uns einen Dialog über die Zukunft unseres Blocks wünschen. Wir haben einen runden Tisch mit uns als MieterInnen, VertreterInnen der Mietervereine und der Politik vorgeschlagen– die Eigentümer haben in der festgelegten Zeit (bisher) nicht geantwortet:

  1. Würden Sie uns unterstützen, dass die geforderten runden Tische zustande kommen?
  1. Würden Sie sich an den Gesprächen mit den Eigentümern beteiligen?

Antwort des Bezirksamtes (Baustadtrat Blesing)

 

Nicht dass jetzt der Eindruck entsteht, wir wollten hier ein munteres BVV-Bashing veranstalten. Im Gegenteil. Unser Respekt gilt allen, die sich in ihrer Freizeit (!) in der BVV und den diversen Ausschüssen engagieren und dort versuchen, für die Menschen in Neukölln etwas zu gestalten und zu bewegen! Die Betonung dabei liegt auf FÜR.

So. Zurück zum Wahlkampf. Wer zur Zeit mit offenen Augen und Ohren durch die Straßen geht, kann gar nicht ausblenden, dass Wohnen und vor allem bezahlbares Wohnen zu den Top-Themen bei dieser Wahl gehört. Auf einmal entdecken fast alle Parteien dieses Thema. Auch solche, die den Mileuschutz in Nicht-Wahlkampfzeiten aktiv blockieren und verhindern. Auch solche, die vor zehn Jahren die GSW an private Investoren verkauft haben und die vor gut sechs Jahren dafür gestimmt haben, dass die Investoren die GSW an die Börse bringen dürfen. Hintergründe dazu kann man hier nachlesen. Das alles wie immer auf dem Rücken der Mieter. Die absurden Mietsteigerungen am Kotti sind ein Resultat dieser verfehlten Politik (leider ein Beispiel von vielen).

Es wird in den kommenden Wochen sicher die eine oder andere Veranstaltung geben, wo sich politische Prominenz tummelt, und wo wir – als Betroffene – durch kritische Fragen deutlich machen können, dass wir eine Stadt für alle wollen, keine Verdrängung sondern bezahlbaren Wohnraum! Wir sollten es nicht unwidersprochen hinnehmen, dass Politiker sich jetzt mit den „Erfolgen“ des Milieuschutzes schmücken die im politischen Alltag alles was mit Milieuschutz zu tun hat, aktiv bekämpfen oder zumindest passiv blockieren, indem sie die Verantwortlichkeiten hin und her schieben oder sich hinter leeren Kassen verstecken.

Wir werden in den kommenden Wochen hier und auf Facebook/Twitter auf Termine hinweisen, manchmal vielleicht auch eher kurzfristig. Aber wer Zeit und etwas Luft hat: Geht zu den Terminen hin, nehmt ein Transparent und Trillerpfeifen mit und tretet den Verantwortlichen mal kräftig auf die Füße.

 

 

 

 

Flohmarkt

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Am kommenden Sonntag (17. Juli) haben wir einen Info- und Solistand auf dem NOWKOELLN FLOWMARKT am Maybachufer.

Es gibt Soli-Buttons, Soli-Aufkleber (neu!), T-Shirts und Stoffbeutel (auch neu!), Plakate, Flyer und Soli-Nistkästen (brandneu!), damit die Vögel auch ein Zuhause haben… Dazu könnt Ihr Euch über unseren Block informieren und Euch mit uns unterhalten über das was bisher war und was jetzt ist und was noch hoffentlich sein wird.

Kommt vorbei – unser Stand ist Maybachufer/Ecke Nansenstraße, wir sind zwischen 9 und 18 Uhr dort.

Besonderer Dank geht an Michael Groß vom Flowmarkt für die solidarische Unterstützung!

Wir sind EIN Block

In offenen Briefen an Politik und Eigentümer fordert die Initiative die Einhaltung des Milieuschutzes und die Etablierung eines Mieterbeirats

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Die Eigentümer des Häuserblocks im Reuterkiez haben sich auf eine Aufteilung der Grundstücke geeinigt. Daher wurden alle vier Zwangsversteigerungstermine, die ursprünglich im Juni2016 vor dem Amtsgericht Neukölln stattfinden sollten, aufgehoben.

Ein Großteil der Häuser ist nun im Besitz der Hintze Gruppe zu denen auch die Gesellschaften der Samwer Brüder gehören, die Häuser in der Framstraße 3–9 und der Nansenstraße 11 verbleiben im Nachlass einer Lindow-Erbin.

Die Mieterinnen und Mieter des Häuserblocks, die sich zur Initiative „Unser Block Bleibt!“ zusammengeschlossen haben, werten die Absage der Versteigerung als Erfolg: „Offensichtlich haben die Teil-Eigentümer um die Berliner Immobilienfirma Dr. Hintze & Co, die die Zwangsversteigerungen als Teil ihrer aggressiven Aneignungsstrategie nutzen wollten, kalte Füße bekommen. Das führen wir auch auf unsere Arbeit und die Mobilisierung von Politik und Öffentlichkeit zurück! Darüber freuen wir uns“, so eine Sprecherin.

Angesichts dieses Teilerfolgs gelte besonderer Dank den zahlreichen Unterstützerinnen und Unterstützern aus der Politik, von Mieterverein und -gemeinschaft, aus anderen Initiativen und nicht zuletzt auch den Medien, die geholfen haben, das Anliegen groß in die Öffentlichkeit zu bringen. Die Aufteilung der Grundstücke zwischen den bisherigen Teil-Eigentümern kommentiert die Initiative: „Wir sind und bleiben EIN Block – wir lassen uns nicht spalten sondern verfolgen auch in Zukunft gemeinsame Ziele!“

Aus der aktuellen Entwicklung leitet die Initiative konkrete Forderungen an die jeweiligen Eigentümer und an die Politik ab, die sie in zwei offenen Briefen formuliert hat.

An die Eigentümer des Blocks geht die Aufforderung, sich mit den Mieterinnen und Mietern an den Verhandlungstisch zu setzen um über Regelungen zum Bestandsschutz und über die Etablierung eines Mieterbeirats mit konkreten Rechten und Befugnissen zu reden. „Vor allem Herr Hintze hat gegenüber der Politik und auch in den Medien immer wieder betont, dass sich für uns als Bewohner nichts ändern wird. Daher nehmen wir ihn beim Wort und fordern ihn auf, diese Aussagen in eine rechtsverbindliche Form zu bringen.“ Doch auch mit dem Nachlassverwalter der Lindow-Erbin sucht die Initiative das Gespräch. „Auch wenn wir davon ausgehen, dass Herr Derpa den Anteil weiterhin im Sinne der Familie Lindow verwalten wird: Wir wissen nicht, was die kommenden Jahre bringen werden. Von daher wollen wir diese Gelegenheit nutzen, um für uns als Mieterschaft verbriefte Rechte zu sichern“, heißt es aus der Initiative.

Zentrale Botschaft an die Neuköllner Bezirkspolitik ist die Aufforderung, für eine konsequente Anwendung des Mileuschutzes zu sorgen: “ Aktuelle Berichte über das Eckhaus Muskauer-/Eisenbahn­straße in Kreuzberg zeigen leider, was trotz Milieuschutz alles möglich ist: Umwandlung in Eigentum, überzogene Sanierungen, drastische Mieterhöhungen. Von daher werden wir die Bezirksverwaltung bei diesem Thema engmaschig begleiten und die Entscheidungen gegebenenfalls auch anfechten.“

An den Berliner Senat geht der Appell, zukünftig verstärkt dafür zu sorgen, dass der günstige Wohnraum in der Stadt, der (noch) vorhanden ist, erhalten bleibt. „Es kann nicht sein, dass sich alle Bemühungen der Senatspolitik auf den Neubau von Wohnungen konzentrieren, und man dabei den bezahlbaren Wohnraum, den es noch gibt, aus den Augen verliert“, heißt es im offenen Brief der Initiative. Und weiter: „Zur Zeit ist Wahlkampf in Berlin und das Thema bezahlbarer Wohnraum steht ganz oben. Wir als Initiative werden dafür sorgen, dass dieses Thema auch nach den Wahlen auf der Tagesordnung bleibt und dass die politisch Verantwortlichen auch liefern müssen. Darüber hinaus werden wir uns auch mit unseren eigenen Ideen und Ansätzen aktiv in die Debatten einbringen.“

Offene Briefe:

Offener Brief an die Eigentümer (PDF-Download)

Offener Brief an die Politik (PDF-Download)

Kontakt:

presse@unserblockbleibt.de

www.unserblockbleibt.de

Abschiedsparty

Dieses Wochenende letzte Chance, denn die Künstler in unserem Innenhof sind die ersten, die jetzt gehen müssen – Kündigung zum Ende des Monats!

Der Ateliergemeinschaft bedeutet es viel, sich mit ihrer stetig wachsenden Ausstellung und den gemeinsamen Samstagabenden im Hof auf eine produktive und positive Art vom Hofidyll verabschieden zu können. Also kommt alle und feiert mit ihnen den Abschied, auch wenn es ein trauriger Anlass ist.

Reinhard part III im Innenhof. Samstag, 25. Juni 2016 ab 16 Uhr. Mehr als 20 Künstler stellen aus in den Ateliers und im Hof. Getränke findet man in der Pop-Up Bar Gary’s und Musik gibt’s auch – wir sind dabei, Ihr auch?

Strategien am Immobilienmarkt

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Wir haben ja schon mehrfach auf den Beitrag von Andrej Holm zur Immobilien-Strategie der Samwers verwiesen. An dieser Stelle wollen wir nochmal genauer auf die Logik der Samwer-Brüder eingehen, die hinter dem Einstieg in Erben- bzw. Eigentümergemeinschaften steht.

Nochmal kurz am Beispiel unseres Blocks zusammengefasst: Die Hintzes und die Samwers  kaufen sich in existierende Erben- bzw. Eigentümergemeinschaften ein. Sie nutzen dann eine selbst herbeigeführte Zwangsversteigerung (Teilungsversteigerung zur „Aufhebung der Gemeinschaft“) um in den Besitz der gesamten Immobilie zu kommen.

Wir wissen von mindestens zwei weiteren Fällen in Berlin, wo Hintzes und Samwers eine ähnliche Strategie verfolgt haben. Zwar ist es dort nicht bis zur Teilungsversteigerung gekommen (in unserem Fall ja auch nicht) aber auch durch eine Einigung mit den jeweiligen Eigentümern kommen sie in der Regel in den alleinigen Besitz eines großen Anteils der jeweiligen Immobilien. Und das wahrscheinlich zu einem sehr „günstigen“ Preis.

Wir suchen zwecks Vernetzung weitere betroffene Mietshäuser, die – offen oder verdeckt  – in den Besitz von Hintzes und Samwers gelangt sind. Wer davon als Mieter*in betroffen ist oder aber von solchen Mietshäusern weiß: Bitte nehmt mit uns Kontakt auf!

Welche Strategie steckt nun hinter dieser Aneignung durch die Hintertür? Das Ganze hört sich ziemlich kompliziert und langwierig an. Und in unserem Fall können wir davon ausgehen, dass Hintzes und Samwers seit ihrem Einstieg die Erbengemeinschaft unserer Häuser Mitte 2014 zielstrebig auf die Teilungsversteigerung hingearbeitet haben. Die Gutachten, die das Amtsgericht Neukölln veröffentlicht hat, stammen vom Mai 2015. Für Juni 2016 waren dann die Versteigerungen angesetzt.

Andrej Holm fasst auf seinem Blog die strategischen Überlegungen, die hinter dieser stillen Aneignung stehen, so zusammen:

Um zu verstehen was an diesem Modell des Immobilienerwerbs  so „extrem clever“ ist, lohnt sich Blick auf das Wohnungsmarktsegment der Erbengemeinschaften. Ausgangspunkt sind naheliegend Erbschaftsfälle, bei denen der meist private Nachlass unter den Erben aufgeteilt wird. Bei den im Grundbuch mit ihren jeweiligen Anteilen eingetragen Erbengemeinschaften ist in der Regel von privaten Hausbesitzer/innen auszugehen […]

Man kann davon ausgehen, dass

Privateigentümer/innen […] anders als profitorientierte Wohnungsunternehmen keine Investition gewinnbringend verwerten wollen, sondern aus einem bestehenden Vermögen eine langfristige und angemessene Verzinsung erwarten. Entsprechend ist die Neigung zu umfassenden und kapitalintensiven Investitionen eher gering und die Gebäude weisen oft einen einfachen Standard auf. In Wohnhäusern mit einfacher Ausstattung und ohne Investitionsdruck sind die Mieten meist günstig. In den Neuköllner Beispielhäusern liegt der durchschnittliche Mietpreis mit 4,20 Euro/qm etwa ein Drittel unter dem Mietspiegeldurchschnitt in Berlin.

Für die weitere profitorientierte Verwertung durch Investoren bieten sich solche Objekte geradezu an, denn:

Je geringer die Miete, desto höher Spielräume für mögliche Mieterhöhungen. Je einfacher der Standard, desto größer die Spielräume für modernisierungsbedingte Mietsteigerungen. Je geringer der Kaufpreis, desto höher der Gewinn bei einer möglichen Umwandlung in Eigentumswohnungen.

Ferner kann man davon ausgehen, dass der Einstieg in Erben- oder Eigentumsgemeinschaften verhältnismäßig günstig ist, da es in der Regel keine Konkurrenz durch andere Bieter gibt.

Andrej Holm führt weiter aus, dass

Letztendlich […] also das Geschäftsmodell von Rocket Internet auf den Wohnungsmarkt übertragen [wird]: Günstiger Erwerb von Anteilen in Projekten mit einem hohen Entwicklungspotential. Die Ertragsaussichten der Immobilienspekulation können mit den Investitionen in Internetprojekten nicht mithalten, dafür ist das Risiko deutlich geringer. Im Fall der erfolgreich provozierten Teilungsversteigerung sind Verluste sogar weitgehend ausgeschlossen. Läuft die Versteigerung wie gewünscht, erfolgt der Vollerwerb der Immobilie zu Konditionen unterhalb des Marktpreises. Erfolgt der Verkauf an höherbietende Konkurrent/innen können die Investor/innen mit einem Verkaufsanteil rechnen, der deutlich über den Erwerbskosten des Erbschaftsanteils liegt. Aus Sicht der Investor/innen eine win-win-Situation: Egal also, wie die Zwangsversteigerung verläuft, die Investition in die Anteile der Erbengemeinschaft wird sich lohnen.

Es verwundert also nicht wirklich, dass wir für die Hintzes und Samwers  ein Objekt mit hohen Renditeaussichten sind:

  • Wohnungsbestand in privatem Eigentum.
  • Verhältnismäßig einfacher Standard weil Privateigentümer eine andere Logik verfolgen als profitorientierte Investoren.
  • Einfacher Standard übersetzt sich in verhältnismäßig niedrige Mieten.
  • Daraus folgt: Große Spielräume für Investitionen („Wohnwert erhöhen“) und daraus resultierende Mietsteigerungen.

Was die Hintzes und Samwers aber möglicherweise nicht auf der Rechnung hatten:

  • Eine organisierte Mieterschaft, die nicht bereit ist, das alles stillschweigend hinzunehmen und über sich ergehen zu lassen.
  • Wir können Kampagne! Unser Block Bleibt! Und die letzten Wochen waren nur ein kleiner Vorgeschmack.
  • Recherche-Skillz, die die verborgenen Samwer-Verbindungen ans Tageslicht gebracht haben. Das war so bestimmt nicht beabsichtigt, wenn man sich das undurchsichtige Geflecht der Beteiligungen anschaut.
  • Als Hintzes und Samwers sich Mitte 2014  in unseren Block eingekauft haben, mussten sie davon ausgehen, dass der Milieuschutz für den Reuterkiez noch lange auf sich warten lässt, wenn er überhaupt mal kommt.  Der zuständige Baustadtrat in Neukölln Thomas Blesing ist erklärtermaßen kein Vorreiter in Sachen Milieuschutz, im Gegenteil: Gerne wird blockiert und verzögert. Erst der intensiven und unermüdlichen Arbeit von Initiativen wie dem Bündnis bezahlbare Mieten Neukölln ist es zu verdanken, dass im Herbst 2015 der Milieuschutz für den Reuterkiez in der BVV Neukölln verabschiedet wurde und im Februar 2016 schließlich in Kraft treten konnte. – Gerade noch rechtzeitig für uns.

Who is Who?

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Investoren und Spekulanten zerstören historisch gewachsene Strukturen

Hintze & Co, die Samwer-Brüder, Lindows – diese Namen schwirren im Zusammenhang mit „Unserem Block“ immer wieder durch die Gegend. Da ist es gerade für Außenstehende (aber auch für Eingeweihte) schwierig, den Überblick zu behalten. Wer ist wer in dieser Spekulationsgeschichte? Wir finden es wichtig, dass auch die Hintergründe an Tageslicht kommen. Daher haben wir mal versucht, ein wenig Ordnung in dieses Namens-Chaos zu bringen.

Als wir Mitte Mai von den Zwangsversteigerungen erfahren haben, war uns zwar klar, dass hier jemand mit unserem Block spekuliert. Der Spekulationskrimi, der sich in den folgenden Wochen so nach und nach vor unseren Augen entfaltete, hat dann aber unsere schlimmsten Erwartungen noch bei weitem übertroffen.

Kurzer Historischer Exkurs

Unsere Häuser wurden in den 1920er Jahre vom Bauunternehmer Lindow errichtet. Die Baufirma Lindow hatte jahrzehntelang auf der Gewerbefläche im Innenhof ihren Sitz. Nach dem Tod des Firmengründers erbten seine drei Kinder zu gleichen Teilen die Häuser und Grundstücke, die zu „Unserem Block“ gehören. Jahrzehntelang waren die Häuser in Familienbesitz.

Weil Neukölln als „Bronx von Berlin“ galt und niemand hier wohnen wollte, standen die Wohnungen manchmal mehrere Jahre lang leer, bevor sie neu vermietet werden konnten. Das begann sich vor ca. 10 Jahren zu ändern. Der Reuterkiez gehört mittlerweile zu den angesagtesten Gegenden innerhalb des Berliner S-Bahn-Rings, Wohnungen in diesem Viertel sind heiß begehrt, entlang der Weserstraße hat sich eine Ausgeh- und Partymeile mit internationalem Ruf etabliert. Auch die Mieten in unserem Block haben sich in den letzten Jahren bei Neuvermietungen spürbar erhöht. Wer in unserem Block in den letzten Jahren eingezogen ist, zahlt in der Regel schon Mieten, die auf Mietspiegel-Niveau liegen, zum Teil sogar auch darüber.

Hintze und Co drängen sich in die Eigentümergemeinschaft hinein

Vor zwei Jahren (2014) verstarb einer der drei Lindow-Erben. Nach unseren Informationen war es das erklärte Ziel der verbleibenden beiden Erb-Parteien, die Häuser im Familienbesitz zu halten. Entgegen ihren Wünschen verkaufte der Nachlassverwalter aber an die Berliner Immobilienfirma Dr. Hintze & Co.

Die Firma Hintze vertritt verschiedene GbRs, die alle ganz harmlos nach den jeweiligen Grundstücken benannt sind, an denen sie Anteile halten. Also zum Beispiel „GbR Framstraße 3-9 u.a.“ oder „GbR Framstraße 11-19 u.a.“.

Eigentümer dieser GbRs sind die Lido Investment GmbH (Berlin), Verus GmbH (München) und die CAD Investment GmbH (Berlin). Lido Investment und CAD Investment gehören den Brüdern Florian und Martin Hintze. Florian Hintze agiert als Geschäftsführer von Dr. Hintze & Co, während Martin Hintze bei der Investmentbank Goldman Sachs für das Coporate Equity-Geschäft in Europa verantwortlich ist.

Umfangreiche Recherchen haben außerdem ergeben, dass hinter der Verus GmbH aus München die Brüder Oliver, Marc und Alexander Samwer stehen. Die Samwer-Brüder sind als Internet-Unternehmer mit Rocket-Internet groß geworden und haben über verschiedene Investmentfirmen ein riesiges Vermögen angehäuft.

Übernahme-Strategie: Zwangsversteigerung

Damit hatten die Hintzes und Samwers den Fuß in der Tür. Die zweite der drei Erb-Parteien bezahlten sie aus, so dass ihnen dann schon zwei Drittel des Häuserblocks gehörten. Die Erbin des letzten Drittels die kürzlich verstarb und in der Folge ihr Nachlassverwalter stellten sich quer. Sie waren nicht bereit an Hintze/Samwer zu verkaufen. Nach unseren Informationen gab es Versuche von der dritten Erbenpartei, eine Einigung zu erzielen. Die von Hintze & Co jedoch ausgeschlagen wurden. Man wolle sich den ganzen Block sichern und nicht nur einen Anteil.

So kam es zur Beantragung der Zwangsversteigerungen bzw. Teilungsversteigerungen zur „Aufhebung der Gemeinschaft“. Erklärtes Ziel von Hintze & Co war es, sich über diese Versteigerungen den gesamten Block zu sichern. Man sah sich im Vorteil, weil man ja real nur ein Drittel des Auktionsbetrages zahlen müsste, die restlichen zwei Drittel zahle man ja an sich selbst aus. Im Vorfeld gab man sich sehr zuversichtlich, dass diese Strategie aufgehen würde. In den Medien wurde beschönigend behauptet, „die Erbengemeinschaft löse sich auf“. Dass Hintze & Co diese „Auflösung“ überhaupt erst losgetreten haben und mit ihrer Aneignungsstrategie durch die Hintertür die treibende Kraft dabei waren, ließ man lieber unter den Tisch fallen.

Zwangsversteigerung abgesagt

Quasi in letzter Minute wurden dann die Versteigerungstermine abgesagt. Anscheinend war man sich angesichts der mindestens vier Mitbieter, die sich angekündigt hatten, nicht mehr ganz so sicher, dass die Übernahmestrategie reibungslos funktionieren würde. Nach neuesten Informationen haben sich die Eigentümerparteien (also Hintze/Samwer auf der einen Seite und die Erben der Lindow-Erbin auf der anderen Seite) auf eine Aufteilung der Grundstücke und Häuser geeinigt. Doch Unser Block Bleibt! lässt sich nicht teilen! Dazu an einem anderen Tag mehr.

Wir betrachten es als Erfolg unserer Arbeit,  dass der Plan der Hintzes und Samwers, sich den ganzen Block zu sichern, vorerst gescheitert ist.

Darf man das? Anscheinend ja.

Wir sind trotzdem immer noch sprachlos, dass es ganz legal möglich ist, sich in eine funktionierende Eigentümergemeinschaft durch die Hintertür hineinzudrängen und dann über die Teilungsversteigerung die Auflösung zu erzwingen. Die verbleibenden Eigentümer haben keinerlei Möglichkeit sich gegen den Aggressor, der sich von außen hineingedrängt hat, zur Wehr zu setzen. Feindliche Übernahme mal anders.

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