Pressemitteilung zur Innenhofbebauung

Anlässlich von Bebauungsvorhaben im Innenhof unseres Blocks im Reuterkiez haben wir eine Pressemitteilung verfasst, die eine ökologisch-, sozial- und Kiezgerechte Bebauung fordert. Der betreffende Innenhof wird umgrenzt von Straßenhäusern mit einfacher Wohnlage und (bis 2015) überwiegend bezahlbaren Mieten. Geplant sind dort nun hochpreisige Neubauwohnungen im Mileuschutzgebiet!

PM_Initiativpapier Kiezgerechte Innenhofbebauung_191104
(PDF als Download)

Die Problematik hier kurz umrissen:

Die gepanten Neubauten mindern die Wohnqualität der Bestandsmieter erheblich, nicht nur durch die Baumassnahmen selbst, sondern weil mit dichter Bebauung die vorhandenen Balkone und Fenster verschattet werden und wertvolle große Bäume abgeholzt werden müssen. Der grüne Innenhof sorgt bisher im Sommer für eine deutlich spürbare Luft- und Klimaverbesserung, die mit der Verdichtung zerstört wird. Die jetzt schon katastrophale Parkplatzsituation wird verschärft, alle Anwohner leiden noch mehr unter Abgasen und Lärm, wenn auch der Innenhof verdichtet wird.

Die neuen Wohnungen werden später zu hohen Mieten angeboten, was die gesamte Wohnlage im Kiez verteuert. Niedrig- oder Normalverdiener können sich die alten Bestandswohnungen kaum noch leisten, aber durch teure Neubauten dreht sich der Mietenanstieg noch schneller hoch. Ziel und Zweck der Bauvorhaben sind größtmögliche Gewinne, nicht etwa eine Entlastung der Wohnraumknappheit in Berlin.

So entsteht sozialer Unfrieden!
Zugunsten von wohlhabenden Neubaumietern müssen Bewohner*innen, die hier seit mehreren Jahrzehnten leben, Abstriche machen und Nachteile hinnehmen. Weil unser Block für zahlungskräftige Interessenten attraktiv wird, müssen alle Mietenden um ihre Wohnungen, ihr Zuhause, fürchten. Die Verdrängung schreitet durch exklusiven Neubau noch schneller voran.

Wir fordern eine sensible, ökologisch und sozial verträgliche Planung, die den Innenhof weiterhin für alle Mieter*innen als Garten offen und nutzbar macht – Tageslicht, gute Luft und die Tierwelt müssen erhalten bleiben.

Mehr über die Situation und Besitzverhältnisse in unserem Block

Berlinkarte von Mietenwatch

Mietenwatch: Das Projekt visualisiert die dramatische Entwicklung bei Berliner Mieten.  Auf der Website könnt ihr herausfinden, wo ihr es euch noch leisten könnt, in der Hauptstadt zu leben. Die visualisierten Daten zeichnen eine düstere Realität – gerade für Menschen mit durchschnittlichen oder geringen Einkommen. In Nord-Neukölln werden schon viele Wohnungen ab 11,50 Euro pro m² und auch viele ab 20 €/m² angeboten.

https://mietenwatch.de/leistbarkeit/#angebote-fur-dich
(bitte in den Kartenausschnitt des Bezirks klicken, dann werden aktuell inserierte Wohnungen mit Mietpreis als Punkte im Lageplan angezeigt)

Auch in Randbezirken steigen die Mieten extrem schnell hoch. Schaut euch die sehr anschauliche, informative Website an:
https://mietenwatch.de/

Anhand der Daten lässt sich erahnen, wie sehr sich Berlin gesellschaftlich durch Verdrängung verändern wird. Denn immer mehr wohlhabende Besitzende und Mietende im Kiez werden auch politisch Einfluß nehmen. Sie haben wenig Interesse an sozial-integrativen Projekten, wo doch die Ausgrenzung von Geringverdienern an den Stadtrand viel bequemer ist. Aus den Augen, aus dem Sinn. Wer nach Neukölln zieht und hier die eigenen Kinder einschult, freut sich über den Weggang von Kindern mit Migrationshintergrund und mangelnden Sprachkenntnissen. Problemfamilien braucht man gar nicht erst mit sozialem Engagement zu unterstützen, wenn sie wegziehen. So haben die vermögenden Zugezogenen in Neukölln Einfluß auf den sozialen Zusammenhalt, aber wenig Interesse, dicht an dicht mit sozial Schwachen zu leben.